Einfach Rumstehen in der Pferdeherde

 

Da steht sie wieder. Macht die gar nichts mit den Pferden? Was soll das? Der muss doch total langweilig sein. Vielleicht ist sie auch einfach ein bisschen verrückt???

 

So stelle ich mir die Gedanken der Menschen vor, die auf Paulas Weide schauen können und mich jede Woche sehen.

 

Circa einmal pro Woche besuche ich die Herde, stelle mich dazu und nehme einfach wahr. Manchmal vollkommen absichtslos und offen, manchmal mit einem eigenen Thema als Fragestellung oder Fokus. Manchmal bin ich nur Beobachterin, manchmal nehme ich aktiv Kontakt auf.

 

Die Energie der Herde spüren

 

Während ich auf der Weide stehe, kommt meist nach und nach jedes der Pferde und begrüßt mich. Jedes auf seine ganz eigene Art und Weise. Direkt oder indirekt, eine Annäherung mit schnellem Schritt oder in gemächlichen Schlangenlinien.

Ich genieße es, so in der Herde zu stehen. Einfach in Ruhe und mit allen Sinnen wahrnehmen, wie in diesem Moment die Energie in der Herde ist. Das kann sehr unterschiedlich sein.

 

Es gibt Tage, da spüre ich sofort eine Ruhe und fühle mich gleich sicher und geborgen. An anderen Tagen ist die Stimmung unruhig und flirrend. Auch das kann entsprechende Gefühle in mir zutage fördern, die ich vorher gar nicht wahrgenommen habe.

 

Mal ist alles leicht und fröhlich, mal herrscht dicke Luft.

Pferd scheut aus geöffnetem Tor

Manchmal ist es abhängig von dem, was im außen ist. Die Herde reagiert dann ganz klar auf sehr viel Wind, ein heranziehendes Gewitter oder wenn die Nachbarn gerade umbauen.

 

An manchen Tagen bemerke ich nichts im außen und trotzdem ist die Herde unruhig. Bestimmte Pferde dürfen anderen dann nicht zu nah kommen. Andere werden immer wieder von ihrem Platz geschickt.

 

Die Einzelnen wahrnehmen

 

Neben der Energie der Herde hat natürlich auch jedes einzelne Pferde seine eigene Energie und seine eigene Art und Weise des Handels und Fühlens.

 

Missy z.B. ist meistens begeistert, wenn ich komme und hat auch oft Lust dazu, etwas mit mir zu unternehmen. Es gibt aber auch bei ihr Tage, da zeigt sie mir deutlich, dass sie gerade kein Interesse daran hat, die Herde zu verlassen.

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Alleine dadurch ist mir klar geworden, wie wenig Freiraum Pferde oft haben, wie wenig Einfluss sie nehmen können. Wie wenig sie gehört werden. Sie müssen den Menschen zum Reiten zur Verfügung stehen, genau dann, wenn diese Zeit dafür haben.

 

Paula nimmt mich jedes Mal aufmerksam wahr, hatte aber besonders zu Beginn im Unterschied zu Missy nicht immer Lust dazu, direkten Kontakt mit mir aufzunehmen. Mittlerweile kommt sie allerdings fast immer und begrüßt mich freundlich. Sie hat allerdings deutlich weniger Lust auf Interaktion und bekommt schnell das Gefühl, eingeengt.

 

 

 

Sich selbst wahrnehmen

 

Natürlich verändere ich sofort etwas in der Herde, wenn ich die Weide betrete. Wahrscheinlich schon, wenn ich den Weg zur Weide hochlaufe.

 

Daher finde ich es spannend, auch mich selbst bewusst wahrzunehmen im Kontakt mit der Herde. Was fühle ich? Welche Gedanken habe ich? Wie fühlt sich mein Körper an?

 

Verändert sich die Reaktion der Pferde auf mich, wenn sich etwas in mir verändert?

 

Welches Pferd löst welche Empfindungen in mir aus? Habe ich eine Idee, warum das so ist?

 

Ab wann kann ich die Energie der Herde wahrnehmen? Wie erlebe ich die Präsenz der einzelnen Pferde? Ab wann nehmen sie mich wahr?

Paula Galopp

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Ist das erlaubt?

 

Ist das erlaubt, bei den Pferden einfach nichts zu tun?

 

Diese Gedanken kamen vor allem zu Anfang meines Experiments regelmäßig immer wieder auf:

Fotos Blog hoch

Darf ich das?

Einfach so herumstehen?

Ein Pferd muss doch bewegt und trainiert werden.

Sollte ich vielleicht wenigstens die Weide abäppeln?

Es fiel mir nicht immer leicht, auch mal auszuhalten, wenn vermeintlich nichts passiert ist. Wenn ich nicht wusste, wohin mich das ganze führt und ich von meinen eigenen Gedanken und Gefühlen verunsichert war.

 

So stark bin ich noch geprägt vom konventionellen Verständnis im Reitsport. Diese Gedanken sind ganz plötzlich da und machen mir ein schlechtes Gewissen.

 

Ich denke darüber nach, wie viel inneren Druck man hat, wenn das Pferd 18-20 Stunden am Tag in einer Box steht und man das Gefühl hat: ich MUSS jetzt ganz dringend für Bewegung und Abwechslung sorgen. Da kannst du dich nicht jeden Tag dazu entscheiden, dein Pferd einfach nur zu beobachten und weitere 2 Stunden stehen zu lassen. Meist hat man den Longierzirkel oder das Roundpen zu einer festen Zeit und es stehen nur 30 Minuten zur Verfügung.

 

Da bleibt im Alltag wenig Zeit, wirklich hinzuspüren. Aber genau das würde den Pferden und den Menschen so guttun.

 

Hier in der Herde ist das zum Glück nicht so. Es gibt kein MUSS. Ich lerne, dass sich etwas entwickeln darf, ohne dass ich sofort aktiv werde.

 

 

Was bringt die Herdenzeit?

 

Obwohl ich schon vorher eine gute Wahrnehmung hatte, bemerke ich, wie sie sich durch diese Zeit nochmals steigert. Nicht nur meine Beobachtungsfähigkeit verbessert sich, sondern auch die Wahrnehmung mit allen anderen Sinnen.

 

Ich nehme die Energie in der Herde immer feiner wahr, ebenso die von jedem einzelnen Pferd und auch meine eigenen Gefühle und Stimmungen.

 

Die Beziehung untereinander und die Wechselwirkungen werden besser wahrnehmbar. Damit meine ich konkret sowohl die Wirkung der reinen Anwesenheit als auch die Wirkung des Handelns. Und zwar für jedes einzelne Pferd, die Herde an sich und natürlich auch auf mich selbst bezogen. Auch hier geht es nicht nur um die körperliche Aktivität oder das Raum nehmen, sondern genauso um die Wirkung der eigenen Gedanken und Gefühle.

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Einen Begegnungsraum eröffnen

 

Pferde sind so unglaublich feinfühlig und aufmerksam. Ihnen Zeit und Raum zu geben, von sich aus zu kommunizieren und ihnen nicht alles im Zusammensein mit dem Menschen vorzugeben, öffnet ein ganzes Feld jenseits von Befehl und Gehorsam.

 

Es öffnet sich ein Begegnungsraum, in dem das Ergebnis nicht schon vorher definiert ist. In dem jeder sich einbringen kann und in dem alle voneinander und miteinander lernen können.

 

Auch für den Menschen kann es viel Positives freisetzen, den Raum zu haben, gemeinsam mit den Pferden wahrzunehmen, hinzulauschen und hinzufühlen.

 

Ein bisschen kommt es mir vor wie ein gruppendynamisches Training mit Pferden. Eine Bereicherung des vielfach sehr technisch orientierten Umgangs mit ihnen und mit uns selbst.

 

Meine Antwort auf die Frage, ob man ohne etwas zu tun stundenlang auf der Weide oder dem Paddock rumstehen darf ist daher eindeutig:

 

Ja klar!

Man darf es nicht nur, ich empfehle es sogar jedem.

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