Was bedeutet es, eine gute Kommunikation mit deinem Pferd oder deinem Hund zu haben?

 

Das Pferd stoppt aus vollem Galopp ohne sichtbare Einwirkung des Menschen. Der Hund kommt auf den ersten Pfiff in rasender Geschwindigkeit zurück.

Beides muss kein Zeichen von guter Kommunikation sein! Vielleicht ist es nur ein Zeichen von gutem Gehorsam.

Das ist ein riesiger Unterschied. Mit entsprechenden Methoden kannst du fast jedes Lebewesen dazu bringen, sich zu fügen und Kommandos zu befolgen. Aber du kannst kein Lebewesen dazu zwingen, eine gute Beziehung zu dir aufzubauen.

Eine gute Kommunikation so wie ich sie verstehe, entsteht auf der Basis von Empathie, Offenheit, Zugewandtheit, Interesse und der Bereitschaft, die Meinung und die Bedürfnisse des anderen zu verstehen. Dafür macht es keinen Unterschied, ob du von Mensch zu Mensch oder von Mensch zu Pferd oder Mensch zu Hund kommunizierst.

 

Eine gute Kommunikation mit deinem Pferd oder deinem Hund ist keine Einbahnstraße

Früher hat man Kommunikation in recht eindimensionalen Modellen dargestellt, wie z.B. dem Sender-Empfänger-Modell. Man hat sich vorgestellt: der Sender sendet eine Nachricht aus. Die Nachricht kommt beim Empfänger an und er muss sie nur noch umsetzen.

Mittlerweile weiß man aber, dass es überhaupt nicht so einfach ist. Kommunikation ist multi-dimensional. Viele Faktoren beeinflussen das, was zwischen den Kommunikationspartner*innen passiert. Dazu zählen:

Die Erfahrungen, Glaubenssätze, Gefühle, Erwartungen, Fähigkeiten und vieles mehr des Senders und  genauso die Erfahrungen, Glaubenssätze, Gefühle, Erwartungen, Fähigkeiten und vieles mehr des Empfängers.

Eine weiterer wichtiger Einflussfaktor ist die Beziehung zwischen beiden. Das ist die individuelle Energie, die im Kontakt zwischen zwei oder mehr Lebewesen entsteht.

Du kennst bestimmt auch Beispiele, wo das Pferd mit der einen Reiterin entspannt ins Gelände geht und sich mit der anderen schreckhaft verhält. Oder der Hund, der mit der Frau ruhig an anderen Hunden vorbei geht und bei dem Mann wild bellend in die Leine springt.

Oft können die Menschen auf bewusster Ebene gar nicht erklären, warum die Tiere sich jeweils so unterschiedlich verhalten. Klar wird dadurch, was schon der Psychologe Paul Watzlawick gesagt hat: „Du kannst nicht nicht kommunizieren.“ Und das heißt auch: Du kannst nicht nicht wirken.

 

Deine Gedanken, deine Gefühle und dein Verhalten haben IMMER eine Wirkung auf dein Pferd oder deinen Hund.

Umgekehrt ist das natürlich ganz genauso.

Dein Pferd oder dein Hund kommunizieren ebenfalls auf allen Ebenen und meist sehr aktiv mit dir. Jedenfalls, wenn du sie lässt.

Wenn sie nicht eingeschüchtert oder in die erlernte Hilflosigkeit getrieben sind, dann sprechen Tiere sehr deutlich mit uns. Und wenn wir uns darauf einlassen, dann ist es auch gar nicht so schwer, ihre Sprache zu verstehen. Die Bereitschaft, sich zu öffnen und vorurteilsfrei zuzuhören, ist die wesentliche Voraussetzung für eine gute Kommunikation.

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Ich erinnere mich an eine Reiterin, deren Pferd JEDE STUNDE beim Reiten DIE GANZE STUNDE über mit dem Schweif geschlagen hat. Da hätte jede nicht-reitende Freundin, die ich mit an den Stall gebracht hätte nach 30 Sekunden gesagt: „Da stimmt doch etwas nicht. Das Pferd fühlt sich nicht wohl. Das zeigt es doch ganz deutlich.“

Die Reiterin hat aber überhaupt nicht darauf reagiert. Das hat sie sicher nicht gemacht, weil sie ein schlechter Mensch oder gar als Tierquälerin unterwegs ist. Auch nicht, weil die Meinung ihres Pferdes sie nicht interessiert. Wahrscheinlich hat sie es gar nicht wahrgenommen, weil sie ihre Aufmerksamkeit auf ganz andere Dinge gerichtet hat. Ihre „Antennen“ waren nicht so gut ausgerichtet.

Ich vermute, dass das Pferd über das Schweifschlagen hinaus weitere Signale gesendet hat, wenn es ans Reiten ging. Vielleicht dreht es sich um und geht weg, wenn man nimmt dem Sattel kommt. Vielleicht weigert es sich, auf den Reitplatz zu gehen.

Für Tiere ist es meistens noch schwerer als für uns, ein Anliegen klar rüberzubringen.

Bei Hunden erlebe ich das auch vielfach. Oft wird Koko von anderen Hunden vermeintlich aggressiv angebellt. Die Besitzer schimpfen dann mit ihren Hunden. Dabei konnte ich schon von weitem bei der Begegnung erkennen, dass die Hunde Angstsignale gezeigt haben. Ein leichtes Wegdrehen des Kopfes, ein hektisches über die Lefze schlecken. Die Signale wurden aber von ihren Besitzern nicht wahrgenommen und somit haben sie auch nicht darauf reagiert.

Braun-weiß geschecktes Pferd auf der Weide

 

Kannst du dir vorstellen wie frustrierend es ist, wenn du versuchst, mit jemanden in Kontakt zu gehen und zu reden, um deine Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen und du wirst einfach nicht wahrgenommen oder immer wieder falsch verstanden?

So geht es vielen Tieren und je nach Typ werden manche dann lauter und vermeintlich aggressiver. Andere geben einfach auf und ziehen sich in sich selbst zurück.

Wie kannst du die Kommunikation mit deinem Pferd oder deinem Hund gut gestalten?

Aus dem oben Geschriebenen wird es wahrscheinlich schon deutlich: zuhören – zuhören – zuhören. Damit meine ich nicht nur mit den Ohren, sondern mit allen Sinnen. Ganz korrekt müsste es daher heißen: wahrnehmen – wahrnehmen – wahrnehmen. Vorurteilsfreies Wahrnehmen.

Vorurteilsfrei heißt: ohne sofort einzuordnen, Schlüsse daraus zu ziehen, Hypothesen zu bilden, Handlungen ableiten zu wollen oder direkt ins Handeln zu kommen.

Das ist gar nicht so leicht wie es sich vielleicht anhört, denn jeder Mensch bringt natürlich eigenes Wissen, Erfahrung, Glaubenssätze, Vorurteile, Erwartungen, Wünsche Ängste und Hoffnungen mit. Gerade dann, wenn es um das geliebte Pferd oder den geliebten Hund geht, sind die besonders stark ausgeprägt.

Deshalb gehört zu einer gelingenden Kommunikation, dass du dich selbst immer besser kennenlernst. Dann kannst du zum einen deine eigenen inneren Anteile besser filtern und erkennst gleichzeitig schneller, warum dein Tier auf eine bestimmte Art und Weise auf dich reagiert.

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5 Bausteine für eine gute Kommunikation mit deinem Pferd oder deinem Hund

Das ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern die Bausteine helfen dabei, immer präsenter zu werden, immer mehr bei dir selbst anzukommen, dich selbst immer mehr so anzunehmen wie du bist und darüber auch die Kommunikation und die Verbindung mit deinem Pferd oder deinem Hund zu verbessern und zu vertiefen.

  1. Dich selbst kennen
    Je besser du dich kennst, je besser du dich selbst einschätzen kannst, desto besser kannst du auch die Kommunikation mit deinem Pferd oder deinem Hund gestalten.
    Mit allem was du sagt, teilst du immer auch etwas über dich selbst mit. Deshalb ist es so hilfreich, die eigenen Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen, inneren Blockaden, Ängste, Stärken und Reaktions- und Handlungsmuster zu kennen. Sie fließen jeden Tag in den Kontakt mit deinem Hund oder deinem Pferd ein.

  2. Deinen momentanen inneren Zustand kennen
    Je nachdem, ob du gerade präsent bist oder zerstreut, bei dir oder mit den Gedanken ganz woanders, wach oder müde, interessiert oder gelangweilt, hoffnungsvoll oder hoffnungslos, selbstsicher oder ängstlich usw. usw. Auch das kommt bei deinem Pferd oder deinem Hund im Kontakt an und je nach Tagesform kann es sinnvoll sein, etwas ganz anderes zu machen, als du dir ursprünglich vorgenommen hast.

  3. Dich in dein Pferd oder deinen Hund hineinversetzen
    Nimm‘ die Situation immer wieder mal aus der Perspektive deines Pferdes oder deines Hundes wahr. Das wird dir oft ganz überraschende Erkenntnisse liefern. Mit etwas Übung wirst du irgendwann in der Lage sein, deine Perspektive immer wieder zwischendurch schnell zu wechseln.

  4. Flexibel kommunizieren
    Je mehr Möglichkeiten du hast, um dich auszudrücken, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegenüber dich versteht. Ganz klar ist es z.B., wenn jemand viele Sprachen spricht; oder ein Mensch der in der Lage ist, sich an die Ausdrucksweise seines Gegenübers anzupassen.
    In Bezug auf dein Pferd oder deinen Hund ist es hilfreich, wenn du deine Energie bewusst hoch- und runterfahren kannst, wenn du leicht zwischen verschiedenen Methode und Techniken wechseln kannst und wenn du kreativ bist, deinen ganz eigenen Weg zu entwickeln.

  5. Feedbackschleifen nutzen
    Oft kommt bei deinem Tier etwas ganz anderes an, als du beabsichtigt hast. Überprüfe immer wieder kleinschrittig, ob dein Pferd oder dein Hund dich auch wirklich verstanden hat und natürlich auch, ob sie innerlich bereit sind, mitzumachen. Je besser es dir gelingt, bereits erste Zeichen von Irritation und von Nicht-Verstehen bei deinem Tier zu erkennen, desto schneller kannst du darauf reagieren.

Du ahnst jetzt wahrscheinlich schon, dass du solange du lebst nie einen Haken hinter das Thema machen wirst, sondern es ein lebenslanger Prozess des sich Entwickelns ist. Die 5 Bausteine sind helfen dir dabei, die Kommunikation mit dir selbst und mit deinem Pferd oder deinem Hund zu einer schönen und spannenden Reise werden zu lassen.

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